
Projekte der Universität Kassel
Der Fachbereich 7 der Universität Kassel beschäftigt sich u.a. unter der Leitung von Prof. Dr. Roßnagel mit verfasungsverträglicher Technikgestaltung. Pro Dokument-Betriebsleiter Roland Müller ist berufenes Mitglied im Beirat verschiedener Projektgruppen
Universität Kassel sichert die Rechtssicherheit bei der Aufbewahrung elektronischer Dokumente
Wie elektronische Dokumente beweissicher
aufbewahrt werden können, wurde unter wesentlicher Beteiligung der
Projektgruppe verfassungsverträgliche Technikgestaltung (provet) im
Forschungszentrum für Informationstechnik-Gestaltung (ITeG) der
Universität Kassel unter Leitung von Prof. Roßnagel nachgewiesen.
Was nützt der Einsatz elektronischer Kommunikationsmedien, wenn am Ende
alle elektronischen Dokumente auf Papier gedruckt werden, um
rechtsgemäß aufbewahrt werden zu können? Wie elektronische Dokumente
beweissicher aufbewahrt werden können, wurde unter wesentlicher
Beteiligung der Projektgruppe verfassungsverträgliche Technikgestaltung
(provet) im Forschungszentrum für Informationstechnik-Gestaltung (ITeG)
der Universität Kassel unter Leitung von Prof. Roßnagel nachgewiesen.
Die im Rahmen des Forschungsprojekts ArchiSig in Kassel wesentlich
mitentwickelten Verfahren waren am 13.12.2005 Gegenstand der
Fachkonferenz "Rechtssicherheit bei der elektronischen Archivierung" in
Berlin. Mehr als 200 Teilnehmer aus den unterschiedlichsten Branchen
kamen der Einladung des Bundesministeriums für Wirtschaft und
Technologie (BMWi) nach, sich über die Konzepte und Lösungen zur
Aufbewahrung elektronischer Dokumente zu informieren und zu
diskutieren. Diese große Teilnehmerzahl verdeutlicht die besondere
praktische Relevanz des Themas und den Stellenwert der
ArchiSig-Lösungen. In dieser Konferenz wurde auch das gerade erschiene
Buch "Beweiskräftige elektronische Archivierung - Bieten elektronische
Signaturen Rechtssicherheit?", das von Prof. Roßnagel mit herausgegeben
wird, erstmals präsentiert.
Der Rechts- und Geschäftsverkehr wie auch die interne Dokumentation
in Unternehmen und Verwaltung erfolgen zunehmend elektronisch. Da ein
Rückgriff auf die Dokumente z.B. als Beweismittel vor Gericht für einen
Zeitraum von 30 Jahren und mehr erforderlich sein kann, muss eine
beweissichere Aufbewahrung der Dokumente für die entsprechende Zeit
gewährleistet sein. Zwar bieten elektronische Signaturen grundsätzlich
Rechtssicherheit. Für die langfristige Aufbewahrung elektronisch
signierter Dokumente gab es bisher nur die Erkenntnis, dass dies ein
ungelöstes Problem ist. Das Problem besteht zum einen darin, dass
elektronische Signaturen auf kryptographischen Verfahren beruhen, die
mit dem Fortschritt der Rechnertechnologie nach und nach an Sicherheit
verlieren. Elektronische Signaturen müssen daher immer wieder mit
besseren Algorithmen neu "versiegelt" werden. Auch muss heute
entschieden werden, welche Daten für die Überprüfung der Urheberschaft
einer Signatur im vielen Jahren erforderlich sein könnten. Diese
Verifikationsdaten werden nämlich nach Jahren oder Jahrzehnten nicht
mehr zur Verfügung stehen und müssen daher von Beginn an mit dem
Dokument aufbewahrt werden.
Simulationsstudie
Maßgeblich für die Überzeugungskraft der Ergebnisse ist die
Tatsache, dass sie sich auch in simulierten Gerichtsprozessen bewährt
haben. Um zu testen, inwieweit die ArchiSig-Lösungen geeignet sind, mit
den aufbewahrten elektronisch signierten Dokumenten auch noch nach
vielen Jahren Beweis zu erbringen, war unter Federführung von provet
eine Simulationsstudie durchgeführt worden. Richter, Rechtsanwälte und
Gutachter überprüften in zwölf gerichtlichen Verfahren die entwickelten
Konzepte und prototypischen Lösungen auf ihre Beweistauglichkeit.
Hierfür wurde für die beweiserheblichen elektronisch signierten
Dokumente ein Archivierungsverfahren für einen Zeitraum von über 40
Jahren im "Zeitraffer" durchgeführt. Durch die Prozesse konnte eine
erheblich größere Einschätzungssicherheit für die Beweistauglichkeit
aufbewahrter signierter Dokumente gewonnen werden. Dabei haben die mit
ArchiSig aufbewahrten Dokumente durchweg ihre Beweistauglichkeit
erwiesen. Dokumente, bei denen Neusignierungen oder Verifikationsdaten
fehlten, konnten meist keinen Beweis erbringen.
Konferenz und Buch stellen den Abschluss des sehr erfolgreichen und
von Fachkreisen mit großer Aufmerksamkeit und Zustimmung verfolgten
Forschungsprojekts "ArchiSig" dar. In dem vom Bundesministerium für
Wirtschaft und Technologie geförderten Projekt (Partner:
Fraunhofer-Institut SIT, Universität Heidelberg, PERGIS, Secude, IXOS,
IZN, Archivverwaltung Niedersachsen, DATEV, T-Systems, s.
http://www.archisig.de) wurden unter wesentlicher Beteiligung der
Projektgruppe verfassungsverträgliche Technikgestaltung (provet) an der
Universität Kassel wirtschaftliche, performante, automatisierte,
datenschutzgerechte und beweiswerterhaltende Lösungen entwickelt und
erprobt.
Info
Universität Kassel
Prof. Dr. Alexander Roßnagel
Fachbereich 7
tel (0561) 804 2235
fax (0561) 804 3737
e-mail
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(Quelle: http://www.innovations-report.de/html/berichte/informationstechnologie/bericht-53263.html)
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